Sebastian, du hast die Schülernachhilfe Steinfurt 2011 gegründet - damals warst du noch Lehrer am Gymnasium Arnoldinum. Wie kam es dazu?
Ich habe im Unterricht täglich erlebt, wie unterschiedlich Kinder lernen - und wie wenig Spielraum eine Klasse mit 30 Schülerinnen und Schülern lässt, um auf jeden einzelnen einzugehen. Es gibt Kinder, die einfach mehr Zeit brauchen. Die einen anderen Zugang zu einem Thema brauchen. Und die in einer großen Klasse schlicht untergehen. Das hat mich nicht losgelassen. Irgendwann habe ich gemerkt: Ich möchte genau das machen - aber ohne die Einschränkungen des Schulsystems.
Das klingt nach einem mutigen Schritt.
Es war vor allem ein konsequenter Schritt. Ich habe 2011 in Borghorst angefangen - klein, mit wenigen Schülerinnen und Schülern, in gemieteten Räumen. Aber ich wusste von Anfang an, was ich will: ein Institut, das wirklich individuell fördert. Mit eigenem pädagogischen Konzept. Nicht Massenunterricht unter einem anderen Namen.
Was bedeutet wirklich individuell für dich konkret?
Es bedeutet zunächst einmal: kleine Gruppen. Maximal vier bis fünf Kinder - nicht weil das eine nette Marketingaussage ist, sondern weil es der Grenzwert ist, ab dem eine Lehrkraft jeden wirklich im Blick behalten kann.
Aber es bedeutet auch mehr: Wir schauen, warum ein Kind Schwierigkeiten hat. Manchmal liegt es am Stoff. Manchmal an der Lernstrategie. Manchmal an etwas, das gar nichts mit der Schule zu tun hat. Das ist der Unterschied zwischen Nachhilfe und echter Förderung.
Du sagst, manchmal liegt es an etwas, das nichts mit der Schule zu tun hat. Was meinst du damit?
Kinder sind keine Lernmaschinen. Wenn ein Kind plötzlich schlechte Noten schreibt, obwohl es das vorher nicht getan hat, dann ist das oft ein Signal. Stress in der Familie, Probleme mit Mitschülerinnen und Mitschülern, eine schwierige Phase in der Pubertät. Wir sind keine Psychologen - aber wir haben ein offenes Ohr. Und manchmal reicht es schon, dass ein Kind an einem Ort ist, wo es sich sicher fühlt und keine Angst hat, Fehler zu machen.
Ihr habt 2014 einen zweiten Standort in Burgsteinfurt eröffnet. Wie hat sich das Institut seitdem verändert?
Wir sind gewachsen - aber bewusst langsam. Ich hätte früher expandieren können, aber ich wollte nicht, dass Qualität auf der Strecke bleibt. Heute haben wir zehn Lehrkräfte, die ich alle persönlich kenne und schätze. Das ist mir wichtiger als Wachstum um jeden Preis. Wir sind kein Franchise - jede Entscheidung, die hier getroffen wird, treffe ich oder mein Team direkt. Das merken die Eltern.
Seit 2023 seid ihr offizieller Kooperationspartner des Arnold-Janssen-Gymnasiums. Was bedeutet dir das?
Sehr viel. Das Arnold-Janssen-Gymnasium ist die Schule, an der ich selbst unterrichtet habe - ich kenne die Strukturen, die Lehrkräfte, die Anforderungen. Diese Kooperation ist für mich eine Bestätigung: dass das, was wir hier machen, anerkannt und geschätzt wird. Und für Eltern ist es ein Signal: hier arbeiten Leute, die wissen, was in der Schule wirklich gefordert wird.
Mittlerweile gibt es in Steinfurt auch größere Nachhilfeketten. Wie gehst du damit um?
Ich beobachte das natürlich. Aber ich mache mir keine großen Sorgen. Wer zu uns kommt, sucht etwas anderes als einen Filialbetrieb. Eltern, die anrufen, sprechen direkt mit mir oder mit jemandem aus unserem Team - nicht mit einem Callcenter. Wer eine Frage hat, bekommt eine ehrliche Antwort. Das ist keine Selbstverständlichkeit, aber es ist unser Anspruch seit 15 Jahren.
Ihr habt keine Mindestvertragslaufzeit. Das ist ungewöhnlich in der Branche.
Ja - und das ist eine bewusste Entscheidung. Ich möchte nicht, dass Eltern bei uns bleiben, weil sie müssen. Ich möchte, dass sie bleiben, weil es ihrem Kind hilft. Wenn das Ziel erreicht ist - wenn ein Kind die Note verbessert hat, die Prüfung bestanden hat, den Anschluss wieder gefunden hat - dann ist das ein Grund zur Freude. Nicht zum Nachrechnen, wie viele Monate Vertrag noch übrig sind.
Was war in 15 Jahren dein schönstes Erlebnis?
Da gibt es viele. Aber was mich immer wieder am meisten berührt: wenn ein Kind, das mit hängendem Kopf zu uns gekommen ist, irgendwann anfängt, vom Unterricht zu erzählen. Wenn Eltern sagen: Er geht jetzt gerne hin. Das klingt vielleicht klein - aber für mich ist das der eigentliche Erfolg. Nicht die Note. Das Selbstvertrauen dahinter.
Und was war die größte Herausforderung?
Die Corona-Zeit war schwierig - von heute auf morgen musste alles online. Wir haben das hinbekommen, aber es hat viel Energie gekostet. Was mich dabei am meisten überrascht hat: wie loyal unsere Eltern waren. Die sind geblieben, haben Geduld gehabt, haben mitgemacht. Das hat mich wirklich bewegt.
Was wünschst du dir für die nächsten 15 Jahre?
Dass wir das bleiben, was wir sind: ein Institut, das Kinder wirklich kennt. Ich habe kein Interesse daran, der größte Nachhilfeanbieter in NRW zu werden. Ich möchte der beste in Steinfurt und Umgebung sein - für die Kinder hier vor Ort. Das ist genug. Das ist eigentlich genau das Richtige.